DE | EN
Brunnhuber Logo

Sicher am Haken

Brunnhuber Kran im Einsatz auf erster Helikopter-Trainingsanlage der Welt

Bei Rettungseinsätzen mit dem Hubschrauber nutzt die Bergwacht sehr häufig eine Seilwinde, um Retter abzulassen oder Verunglückte zu bergen. Entsprechend geschult sollten deshalb alle sein, die damit umgehen. Erstmals gibt es nun ein Trainingszentrum, in dem die Bergretter ihr Können messen und üben können. Am Kran in der Halle lernen sie unter erhöhten Sicherheitsbedingungen den Umgang mit Wind, Wetter und der Winde.

Nach sechs Jahren der Planung, Tests und Untersuchungen hat die Bergwacht in Bad Tölz ein Helikopter Trainingszentrum gebaut und Ende 2008 eingeweiht. Der entscheidende Vorteil der Anlage ist, dass damit nicht nur Übungsflüge simuliert, sondern vor allem Rettungsaktionen geprobt werden können. Dazu gehören meist auch das Abseilen über die Winde am Helikopter und das Aufnehmen von Personen. "Aus diesem Grund mussten wir eine Halle bzw. eine Konstruktion wählen, bei der mindestens 12 m unter der Kufe vorhanden sind", berichtet Thomas Griesbeck von der Bergwacht Bayern. Die Halle, in der die Hubschrauberzeile mithilfe eines typischen Hallenkrans im dreidimensionalen Raum bewegt wird, ist 60 m lang, 25 m breit und 20 m hoch. Transparente Wände geben dem Piloten auch optisch das Gefühl eines echten Flugs in der Natur.

Für den Betrieb eines Hubschraubers zu Rettungszwecken muss im Durchschnitt pro Minute ein Betrag von etwa 45 Euro angesetzt werden. Bei einer Grundauslastung mit 3.300 Flugstunden ergibt sich somit ein rechnerischer Kostenaufwand von knapp neun Millionen Euro. Diese Zahlen belegen, dass sich eine solche Trainingsanlage auf alle Fälle rechnet. Die Bergwacht erwartet nicht nur einen Ansturm aus den eigenen Reihen, sondern auch den Besuch vieler Interessierter aus dem Ausland.

Krananlage Bergwacht Bayern Hallenkran mit fehlersicheren Frequenzumrichtern - Den Flug des Helikopters simuliert eine Hallenkrananlage, die mit redundanten Absolutwertgebern ausgerüstet ist und somit die Position der Hubschrauberzelle jederzeit erfasst. Da sich unter der schwebenden Last - nämlich der Hubschrauberzeile - aber auch angeseilte Menschen befinden, müssen außergewöhnlich strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Der Krananlagenhersteller Brunnhuber Krantechnik bestätigt: "Um für diese Trainingsanlage das O.K. von der Berufsgenossenschaft und vom TÜV zu bekommen, mussten wir eine Vielzahl sicherheitsrelevanter Spezialkonstruktionen realisieren." Zur Erhöhung der Sicherheit wurden für die elektrischen Antriebe der Hauptachsen am Kranfehlersichere Frequenzumrichter Sinamics G 120 eingesetzt. Die äußerst kompakten Geräte ermöglichen eine einfache Energierückspeisung. Für den Kranhersteller ist diese Kombination, in einem einzigen Gerät vereint, ideal für viele Anwendungsfälle. Die modular aufgebauten Frequenzumrichter gibt es für den Leistungsbereich zwischen 0,37 und 90 kW. Aus logistischer Sicht sind die reinen Leistungswerte, die die Bergwacht einsetzt, nicht besonders anspruchsvoll. "Bezüglich der Sicherheitsanforderungen bewegen wir uns hier allerdings auf hohem Niveau", betont Thomas Griesbeck.

Erhöhte Sicherheit über Profisafe - Da es die Frequenzumrichter Sinamics G 120 sogar mit Controller für den Betrieb an der sicheren Profibus-Übertragungstechnik Profisafe gibt, konnten die Hauptantriebe ohne Weiteres in die komplett Profibus-basierte Steuerung der Helikopter- Trainingsanlage integriert werden. "Das ist ein immenser Vorteil, unterstreicht Brunnhuber Krane. Die Steuerung der Anlage übernimmt eine fehlersichere SPS 57-300 CPU 319F-3PNiDP. Das Unternehmen hat sich für diesen sehr leistungsfähigen Typ entschieden, damit der Pilot Mit den Reglereinheiten der Frequenzumrichter Sinamics G120 können selbst Bremsen fehlersicher betätigt werden. Ansteuern lassen sie sich über Profisafe 22 advance 12·2010 äußerst feinfühlige Flugmanöver ausführen kann. Denn in der Halle lassen sich bis zu 100 Sperrzonen definieren, die Kollisionen bzw. Risiken für Mensch und Technik ausschließen sollen. Entsprechend viel Überwachungs- und Regelaufwand ist deshalb notwendig.

Simatic G120 Durchgängige Automatisierung - In der Hubschrauberzelle befinden sich zwei weitere Simatic Controller, die dezentral die Hauptsteuerung durch die permanente Berechnung der Lageveränderung der Hubschrauberzelle im XYZ-Koordinatensystem unterstützen. Sie werten beispielsweise die Neigungssensoren aus und führen mit den Barcode-Absolutwertgebern einen ständigen Datenabgleich durch. Zur Unterstützung erfassen auch dezentrale Peripherieeinheiten Simatic ET 200M Ein- und Ausgangssignale. All diese Geräte sind an Profibus angeschlossen und vereinfachen damit die Steuerung der Trainingsanlage. Das Prinzip von Totally Integrated Automation (TlA) zeigt sich auch bei der Planung, Auslegung und Parametrierung der fehlersicheren Frequenzumrichter: Das Softwaretool Sizer ermöglicht eine schnelle und gezielte Auslegung der Frequenzumrichter und anschließend unterstützt das Programm Starter die einfache Inbetriebnahme.

Software vereinfacht die Parametrierung und Inbetriebnahme - Hier bietet sich laut Brunnhuber Krane sogar die Möglichkeit, die fehlersicheren Eigenschaften der Geräte direkt in der Step 7-Programmierung der Steuerung vorzunehmen. Die Steuerungstechniker erhalten dabei auf der Oberfläche der Hardwarekonfiguration einen ergänzenden Reiter für die Eingaben auf der Profisafe Ebene. Das ist übersichtlich und spart Zeit. Eine Besonderheit der Umrichter ist, dass sie geberlos eine sicher begrenzte Geschwindigkeit (Safely Limited Speed, SLS) und einen sicheren Stopp (Safe Stop 1, SS 1) bei den Fahrantrieben und dem Drehwerk erlauben. Zusätzlich garantieren sie sicher abgeschaltetes Moment (Safe Torque Off, STO) sowie eine sichere Bremsansteuerung gemäß EN 60204 für alle Triebwerke. "Das war uns deshalb so wichtig, weil das System die "Fluggeschwindigkeit" beim Annähern an eine Gefahrenzone entsprechend drosseln soll", betont Thomas Griesbeck. Ansonsten könnte es bei ruckartigen Brems- oder Not-Halt-Vorgängen zum unkontrollierten Schwingen der Hubschrauberzelle kommen. "Vor diesem Hintergrund haben wir drei unterschiedliche Verfahrgeschwindigkeiten an der Krananlage programmiert, die sicher eingehalten werden müssen", ergänzt Brunnhuber Krantechnik. Gegen ein Absacken des Helikopters schützt zusätzlich eine großzügig dimensionierte Scheibenbremse am Hubwerk, die ebenfalls direkt vom Umrichter angesteuert wird. Sowohl die Hubschrauberzeile als auch eine Funkfernsteuerung, die bei jedem Training von einer zusätzlichen Aufsichtsperson in der Halle überwacht wird, sind mit zweikanaligen Not-Aus- Tastern ausgerüstet. Bei Betätigung eines Not-Aus-Tasters werden alle Antriebe hauptstromseitig allpolig vom Netz getrennt, alle Bremsen fallen ein. Das Verkleben der Kontakte des Hauptschützes wird von der fehlersicheren SPS überwacht. Im Fehlerfall werden alle Fahrantriebe mithilfe der in den Frequenzumrichtern integrierten sicherheitsgerichteten Funktion ,sicherer Stopp stilgesetzt.

Hubschrauber am Kran Übung Aufmodulierter Profibus über Schleifleitungen - Sämtliche Daten kann der Pilot im Cockpit über ein Touch Panel MP370 während des Flugs überwachen bzw. abfragen. Der Datenverkehr mittels Profi bus wird nicht, wie sonst üblich, über Kupfer- oder Lichtwellen -Datenleiter übertragen, sondern die Daten werden hochfrequent auf die Energiezuführleitungen aufmoduliert und über Schleifkontakte vom Hubschrauber zur Steuerungszentrale übermittelt. "Auf diese Weise erreichen wir eine 360°-Bewegungsfreiheit des Hubschraubers", erklärt Thomas Griesbeck. Außerdem ist der Pilot dadurch in der Lage, zusätzliche Aggregate bzw. Funktionen rund um den Hubschrauber zu starten und wieder abzuschalten. Im Sinkflug wird die frei werdende Energie über die Frequenzumrichter direkt in das Stromnetz rückgespeist. Diese Funktionalität macht die Gesamtkonstruktion nicht nur energetisch interessant, sondern auch platzmäßig, denn durch die nicht erforderlichen Bremswiderstände bauen die Geräte erheblich kompakter als konventionelle Lösungen.

Moderne Umrichtertechnik schafft Sicherheit - Mit dem neuen Trainingszentrum der Bergwacht in Bad Tölz ist es erstmals gelungen, unter größten Sicherheitsbedingungen säm tliche Rettungsszena rien der Bergwacht zu üben. Welchen Stellenwert dies hat, beschreibt Thomas Griesbeck so: "Im echten Flugbetrieb am Hubschrauber gibt es keine Übung, dort muss jeder Handgriff sitzen, damit kein Unglück passiert." Um in der Halle die notwendige Sicherheit gewährleisten zu können, sind redundante Systeme und fehlersichere Komponenten unumgänglich. Dementsprechend hat der Systemlieferant Brunnhuber aus Augsburg fehlersichere Frequenzumrichter Sinamics G120 von Siemens eingebaut. Diese lassen sich für Anwendungen bis zur Sicherheitskategorie 3 gemäß EN 954-1 bzw. SIL 2 nach EN 61508 einsetzen. Das Resümee ist einstimmig: "Mit diesem einzigartigen Trainingszentrum für helikoptergestützte Bergwachteinsätze läuten wir eine neue Ära der Bergrettung ein. Deshalb vertrauen wir dort auch nur zuverlässiger Technik."


AGB    Kontakt    Impressum